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Maximilian Buchmayr

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  • Maximilian

Das Schweigen (nicht nur) der Lämmer



Schweigen kann sich ganz unterschiedlich anspüren und ganz unterschiedliche Qualitäten haben.


Schweigen kann eine geradezu heilige Dimension haben. Allein oder zu zweit in harmonischer Resonanz mit der Stille zu sein – das kann bereichernd, nährend und heilend sein. Manchmal will ein glückliches Wohlbefinden durch keinen Laut gestört werden. Da gibt es dann nichts, was gesagt werden will, weil die Verbalisierung eines Zustands des uneingeschränkten Glücks die Empfindung des „Alles ist jetzt gut so, wie es ist“ wahrscheinlich mindern, wenn nicht sogar zerstören würde.


In seltenen Fällen kann man diese Form des Schweigens auch im Kollektiv beobachten – beispielsweise nach dem Verklingen des letzten Tons eines besonders geglückten Konzerts. Wieviel Energie in diesem Schweigen steckt, kann man aber auch schon daran erkennen, dass dieses Schweigen im Allgemeinen nur sehr kurz ausgehalten wird. Ein Husten, Räuspern oder der Applaus brechen diese Augenblicke, von denen ich mir oft wünschte, dass sie ein bisschen länger dauern würden.


Es gibt aber auch ein ganz anderes Schweigen. Das Schweigen, weil man nicht in der Lage ist, zu sagen, was man gerne sagen würde oder was gesagt werden sollte. Das gibt es in Partnerschaften und in Gruppen. Oft ist bei diesem „betretenen Schweigen“ ein unangenehmes, enges Körpergefühl dabei, fast eine Verkrampfung, weil der Körper, das, was eigentlich an verbaler Äußerung aus ihm hinaus will, mit Gewalt zurückhält.

Das Schweigen aus taktischen Gründen, von vielen Politikern mit großer Meisterschaft beherrscht, ist eine wirksame Waffe, die einen oft sehr unangreifbar macht. Diese Unangreifbarkeit verleiht Macht, und zwar oft mehr Macht, als man durch einen aggressiv vertretenen Standpunkt haben würde. Man lässt die anderen ins Leere laufen, Argumente werden mit Worthülsen, die zwar Klang aber keinen Inhalt haben, eingehüllt und je vehementer der Gesprächspartner Antworten einfordert, desto eleganter werden die nichtssagenden Repliken, bis der Argumentationswillige in das resignierende Schweigen der Frustration verfällt.


Sprache ist eines der wertvollsten Güter, das den Menschen ausmacht. Schweigen und Sprechen – das sind zwei Seiten einer Medaille, die nicht voneinander trennbar sind.

Dies ist ein Aufruf, sich bewusst zu machen, wo Schweigen heilsam ist, und wo es zerstört. Wo Sprechen angesagt wäre, und wo der Verzicht auf unnötige Worte letztlich zu mehr Kommunikation führen könnte.



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