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  • Maximilian

Der Kosmos, das Klima, die Wut und der Frieden


Wie geht es euch mit der Tatsache, dass die Chance, dass die Spezies "Mensch" auf diesem Planeten die nächsten sagen wir einmal großzügig paar Hundert Jahre überleben wird, von Tag zu Tag ein wenig sinkt?


OK, Ronald McDonald - hab ich mir den Namen dieses amerikanischen Präsidentenclowns jetzt richtig gemerkt? - würde sagen, dass das von übelwollenden Medien lancierte Fake News sind. Dieses zugegebenermaßen verlockend entlastende Erklärungsmodell kann ich mir leider nicht zu eigen machen. Zu viele wissenschaftliche Fakten, Studien, Modelle, die ich zwar nicht nachrechnen kann, aber die doch aus Quellen stammen, die mir vertrauenswürdig und fundiert erscheinen, und deren Argumentationslinien mir betrüblicherweise sehr nachvollziehbar erscheinen.


Und daher meine Frage: Was ist die angemessene Reaktion auf diese Tatsachen? Wie kann man im Alltag weiterleben, angesichts der drohenden Auslöschung der "Krone der Schöpfung"? Und zwar innerhalb einer Zeitspanne, in der pessimistischen Schätzungen zufolge sogar schon 2, 3, 4 Generationen nach uns das Endzeitglöckchen (zumindest aus menschlicher Sicht) ertönen könnte?


Mir geht es mit diesem Problem tagesverfassungsmäßig höchst unterschiedlich. An sogenannten "guten Tagen", an denen ich in der Lage bin, in großen Zusammenhängen zu denken, weiß ich, dass sowieso alles einen Anfang und ein Ende hat. Das Universum ist, das ist mittlerweile recht genau bestimmt, 13,81 Milliarden Jahre alt. Über das Ende des Universums weiß man noch nichts genaues. Aber auf jeden Fall wird unserer Sonne in 5 - 7 Milliarden Jahren der Brennstoff ausgehen. Ein letztes großes Feuerwerk und dann wird's finster in der Hütte. Möglicherweise wird das sich bekanntermaßen im Moment noch ausdehnende Universum wieder einmal kontrahieren, dann gibt's einen "Big Crunch" (das Gegenstück zum Urknall), und dann beginnt alles wieder von vorne. Ein recht tröstlicher Gedanke, finde ich. Ewig neue Chancen und neue Spielwiesen. Aus dieser Perspektive betrachtet kann ich das, was sich im Augenblick auf der Weltbühne abspielt, mit einem gewissen Frieden betrachten. Ein Experiment unter unendlich vielen Experimenten des Lebens, des Bewusstseins, das halt so ausgeht, wie es ausgeht, und vielleicht gibt es ja sogar einen kosmischen Wissens- und Erfahrungsspeicher, in dem die Daten dieses Experiments eingetragen werden und bei neuen Versuchen als Basis für eine bessere Entwicklungslinie dienen können.


Und dann gibt es Tage, an denen ich aus dieser Perspektive herauskippe. Wo ich mich am Morgen laut brüllen auf den Balkon stellen möchte. Wo ich Wut, Verzweiflung oder Depression wahrnehme und manchmal harte Kämpfe damit ausfechte, diesen Emotionen und den damit verbundenen Gedanken nicht zu unterliegen, sondern sie zuzulassen, aber auch wieder vorbeiziehen zu lassen und mich nicht allzu sehr in sie zu verstricken.


In diesen Situationen ist für mich eine stabile Meditationspraxis von unschätzbarem Wert. Durch sie gelingt es mir, mich von der Sichtweise her wieder auf die große Perspektive zu fokussieren, dabei, aber nicht in große Gleichgültigkeit zu verfallen ("Ist ja eh wurscht, kommt ja eh wieder ein neues Universum..."), was mir als Wiener natürlich schon ein bisschen liegen würde. Die Kunst für mich besteht darin, trotz des Wissens über die letztendliche Vergänglichkeit von allem, die Dinge zu tun, von denen ich glaube, dass sie meine Aufgabe auf dieser Welt sind. Die Hoffnung nicht zu verlieren, dass dieses aktuelle Experiment noch nicht gescheitert ist, und dass es uns gelingt, das Steuer noch herumzureißen und in eine glücklichere Zukunft zu steuern.


Dazu werden große Kraftanstrengungen nötig sein. Von vielen, vielen Einzelnen, aber vor allem auch durch das Bilden von Communities, die gemeinsam in neue Richtungen aufbrechen und positive Zukunftsvisionen in die Tat umsetzen.


Meine Frage ist ganz konkret und keineswegs rhetorisch gemeint. Wie geht es euch mit diesem Thema? Ich würde mich freuen, wenn es an dieser Stelle zu einem regen Austausch kommt - und vielleicht die Keimzelle zu der ein oder anderen hilf- und segensreichen Aktion bildet.

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